Fund 003 — Pilzwissen
Pilze und Bäume: eine Tauschbeziehung
Unter der Erde tauschen Pilze und Bäume: Zucker gegen Wasser und Mineralstoffe, seit Jahrmillionen.

Dass mancher Pilz am liebsten unter „seinem“ Baum steht, wussten Sammler lange, bevor es jemand erklären konnte. Bis heute steckt es in etlichen Pilznamen. Die Erklärung liegt unter der Erde und heißt Mykorrhiza, wörtlich: Pilzwurzel.
1. Das Tauschgeschäft
An den feinsten Wurzeln der Bäume treffen sich Baum und Pilz. Der Baum liefert Zucker, den er oben im Licht herstellt. Der Pilz kann das nicht, er ist ja keine Pflanze. Dafür liefert er Wasser und Mineralstoffe, die sein feines Fadengeflecht gründlicher aus dem Boden holt als jede Baumwurzel. Beide haben etwas davon, keiner verschenkt etwas. Diese Partnerschaft gibt es seit vielen Millionen Jahren, und ein Großteil unserer Waldbäume lebt so.
2. Das „Wood Wide Web“
Und jetzt wird es wirklich erstaunlich: Über die Pilzfäden im Boden sind Bäume miteinander verbunden, und durch diese Verbindungen kann tatsächlich Zucker von Baum zu Baum wandern. Forscher haben das mit markiertem Kohlenstoff nachgewiesen. Ein Baum im Schatten kann auf diesem Weg etwas von einem Baum in der Sonne abbekommen. Wie viel da unten wirklich unterwegs ist und ob man den Wald deshalb ein Netzwerk nennen darf, wird noch erforscht. Aber schon die gesicherte Hälfte reicht, um den Waldboden mit anderen Augen zu sehen.
3. Was man davon sieht
Vom Tausch selbst sieht man nichts. Sein Ergebnis steht trotzdem jeden Herbst wieder da: Pilze, die Jahr für Jahr an derselben Stelle erscheinen, unter denselben Bäumen. Wer beim nächsten Spaziergang darauf achtet, unter welchem Baum ein Fund steht, versteht nebenbei, warum ein Wald ohne Pilze nicht aufgeräumter wäre, sondern ärmer.