Fund 002 — Pilzwissen
Was ist eigentlich Myzel?
Der Pilz im Wald ist nur die Frucht. Das eigentliche Lebewesen liegt als Fadengeflecht im Boden.

Wer einen Pilz aus dem Boden dreht, findet an der Stielbasis oft weiße Fäden, ein Gespinst wie festgewachsene Watte. Die meisten wischen es ab. Dabei ist genau das ein Zipfel des eigentlichen Lebewesens.
1. Der Apfel und der Apfelbaum
Der Vergleich, der es am besten erklärt: Der Pilz verhält sich zu seinem Myzel wie der Apfel zum Apfelbaum. Niemand hält einen Apfel für den ganzen Baum. Beim Pilz passiert uns dieser Fehler ständig, weil der Baum unsichtbar ist. Das Myzel liegt als Geflecht aus feinsten Fäden im Boden, durchzieht Laub, Holz und Erde und ist meist älter und größer als alles, was oben zu sehen ist.
2. Wozu der sichtbare Pilz gut ist
Der Fruchtkörper, also das, was wir im Alltag Pilz nennen, hat eine einzige Aufgabe: Sporen bilden und verbreiten. Deshalb macht es ihm nichts aus, nach ein paar Tagen wieder zusammenzufallen. Das Myzel bleibt, Jahr für Jahr, oft über Jahrzehnte.
3. Wie groß so etwas werden kann
Das berühmteste Beispiel wächst in einem Wald im US-Bundesstaat Oregon: ein Hallimasch-Myzel, das sich über mehrere Quadratkilometer erstreckt und zu den größten bekannten Lebewesen der Erde gezählt wird. Das ist die Ausnahme. Aber auch bei uns gilt: Der Boden, auf dem man steht, ist belebter, als er aussieht.
4. Was das Myzel im Wald leistet
Das Geflecht zersetzt, was der Wald fallen lässt, und macht daraus wieder Nährstoffe. Es speichert Wasser und hält mit seinen Fäden den Boden zusammen. Und es handelt mit den Bäumen. Wie dieser Tausch funktioniert, steht im nächsten Beitrag.